02. April 2025 | Pressemitteilung

Niedrige Geburtenrate und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit

Investitionen in Bildung gleichen die negativen Auswirkungen der niedrigen Geburtenrate aus

Wie Geld für Bildung den Einfluss niedriger Geburtenraten auf das Rentensystem ausgleicht, zeigt eine heute veröffentlichte Studie von Mikko Myrskylä, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock. Er und seine Co-Autor*innen verwendeten finnische Daten in einer Simulation, um zu untersuchen, wie die Wirtschaft schrumpft, wenn die Geburtenrate sehr niedrig ist, und wie Investitionen in Bildung die kleineren Geburtenjahrgänge ausgleichen können. Sie stellen fest, dass solche Investitionen die Produktivität der Arbeitskräfte erhöhen und so die geringere Zahl an Arbeitskräften ausgleichen.

Investitionen in Bildung verringern nicht nur die Rentenlast, sondern verlängern auch die Arbeitsjahre, erhöhen das Renteneinkommen, verlängern die Dauer des Ruhestands und fördern eine höhere Lebenserwartung. © istockphoto.com/SimonSkafar

Myrskylä und seine Co-Autor*innen zeigen in ihrem Fachartikel, dass eine ehrgeizige, aber einfache Strategie für Bildungsinvestitionen die negativen Auswirkungen einer geringeren Erwerbsbevölkerung auf makroökonomische Indikatoren wie die Rentenbelastung ausgleichen kann. Dabei wird die Gesamtsumme der Investitionen trotz der sinkenden Zahl von Kindern pro Geburtsjahr konstant gehalten und dadurch die Pro-Kopf-Investitionen erhöht.

Investitionen in Bildung verringern nicht nur die Rentenlast, sondern erhöhen auch die Anzahl der Arbeitsjahre, das Renteneinkommen, die Anzahl der Ruhestandsjahre und die Lebenserwartung. „Investitionen in Bildung bei sinkender Geburtenrate haben das Potenzial, die Gesundheit und das Wohlbefinden des Einzelnen zu verbessern und die wirtschaftlichen Herausforderungen einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung in Ländern mit niedriger Geburtenrate zu mildern“, sagt Mikko Myrskylä.

Die größte Herausforderung sind die langfristigen Auswirkungen, die eine niedrige Geburtenrate auf die Altersstruktur der Bevölkerung hat. Eine niedrige und sinkende Geburtenrate beschleunigt die Alterung der Bevölkerung und trägt zu einem sinkenden Verhältnis der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zur Bevölkerung im nicht erwerbsfähigen Alter bei. Diese Entwicklung fordert politische Maßnahmen.

© MPIDR

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In ihrer Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Demography veröffentlicht wurde, simulierten die Forscher*innen eine moderate Erhöhung der Bildungsinvestitionen pro Kind. Sie hielten die Gesamtinvestition in Bildung in einem Szenario mit niedriger Geburtenrate auf dem gleichen Niveau wie in einem Szenario mit höherer Geburtenrate. „Wenn die Zahl der Kinder im Szenario mit höherer Geburtenrate beispielsweise bei 100 liegt und wir über den gesamten Lebensverlauf 100 Euro in die Bildung eines Kindes investieren, belaufen sich die Gesamtinvestitionen auf 10.000 Euro. Wenn die Geburtenrate auf 80 Kinder sinkt, wir aber immer noch die gleichen 10.000 Euro in diese Kinder investieren, erhält nun jedes Kind über den gesamten Lebensverlauf hinweg 125 Euro Bildungsinvestition“, erklärt Myrskylä. In der Simulation mit den echten Zahlen aus Finnland würde die zusätzliche Investition pro Kind zu etwa einem extra Bildungsjahr pro Kind führen.

Höher qualifizierte Arbeitskräfte sind produktiver

„Eine Vielzahl von Studien dokumentiert in vielen Lebensbereichen, dass höhere Bildung das Wohlbefinden des Einzelnen steigert“, sagt Mikko Myrskylä. Daher ist höhere Bildung nicht nur mit höherer Produktivität und längerer Erwerbstätigkeit verbunden, sondern geht auch mit besserer Gesundheit, insgesamt längerem Leben, höherem subjektiven Wohlbefinden und Glück für den Einzelnen einher.

Wenn weniger Menschen erwerbstätig, aber aufgrund ihrer höheren Bildung produktiver sind und später in Rente gehen, was passiert dann mit der makroökonomischen Zukunftsfähigkeit, wie etwa der Rentenlast? Die Ergebnisse der Forscher*innen zeigen, dass die Rentenausgaben im Verhältnis zur Lohnsumme in etwa gleich hoch sind wie in einer Simulation mit höheren Geburtenraten. Die Rentenlast bleibt demnach gleich hoch.

Das ist eine gute Nachricht, da seit mehreren Jahren deutlich wird, dass es schwierig ist, die Geburtenraten durch familienpolitische Maßnahmen zu erhöhen. „Die Besorgnis über globale Unwägbarkeiten, wie dem Klimawandel und wirtschaftliche Unsicherheit, hat zugenommen. Dies ist einer der Hauptfaktoren, die dazu beitragen, dass Menschen sich fragen, ob sie Kinder haben wollen. Der Rückgang stabiler Partnerschaften spielt ebenfalls eine Rolle bei der sinkenden Kinderzahl“, sagt Mikko Myrskylä. Familienpolitik ist jedoch wichtig für das Wohlergehen von Eltern und Kindern. Das Fehlen einer Familienpolitik könnte sich negativ auf die Geburtenraten auswirken.

Die Ergebnisse sind im Allgemeinen auf andere europäische Länder übertragbar

Finnland ist ein besonders interessanter Fall, da die Bevölkerung schneller altert als in den meisten anderen europäischen Ländern, die Geburtenrate sehr niedrig ist und die Bildungstrends in den vergangenen ein bis zwei Jahrzehnten stagnierten oder sogar rückläufig waren. Das bedeutet, dass zusätzliche Investitionen in die Bildung besonders in Finnland wahrscheinlich große Gewinne bringen werden. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Ergebnisse im Allgemeinen auf andere europäische Länder übertragbar sind, es sei denn, man findet einen Kontext, in dem das allgemeine Bildungsniveau bereits so hoch ist, dass die Produktivität nicht durch Investitionen in die Bildung gesteigert werden kann. Ich bin mir nicht sicher, ob es solche Länder gibt – daher denke ich, dass sich unsere Ergebnisse gut über Grenzen hinweg übertragen lassen“, sagt Mikko Myrskylä.

Originalpublikation

Myrskylä, M., Hellstrand, J., Lappo, S., Lorenti, A., Nisén, J., Rao, Z., Tikanmäki, H.: Declining Fertility, Human Capital Investment, and Economic Sustainability. Demography (2025). DOI: 10.1215/00703370-11858484

Kontakt

Mikko Myrskylä, Direktor
Max-Planck-Institut für demografische Forschung
office-myrskyla@demogr.mpg.de

Silvia Leek, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
+49 (0)381 20 81 143
press@demogr.mpg.de

Keywords

Geburtenrate, Fertilität, Rente, Erwerbsbevölkerung

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